im Winter Oberbayern, im Sommer an Bord im Mittelmeer
Hallo zusammen,
wie bereits in meiner Vorstellung angedroht hier nun eine kurze Vorstellung des Bausatzes "Portsmouth", den zu bauen ich vor nunmehr mehr als 25 Jahren begonnen hatte und der seitdem mit kurzen Unterbrechungen aufgrund verschiedener Ursachen vor sich hingeschlummert hat. Dieser Vorstellung möchte ich gleich mein Fazit voranstellen: Finger weg von dem Ding, das eignet sich eigentlich nur für den Müll!!!!!!!!
Es geht um die "Portsmouth" Bausatz von 1:64 Mamoli . Aufgrund der Bausatzbeschreibung war ich seinerzeit natürlich davon ausgegangen, es handele sich um das Modell eines einst real existierenden Schiffes, musste mich aber nach späterer Recherche von dieser Illusion verabschieden. Wäre das der einzige Mangel gewesen, hätte ich damit ohne weiteres leben können; dann wäre es halt eine - sagen wir mal - Studie geworden. Wie die folgenden "Plan"ausschnitte beispielhaft zeigen, sind jedoch manche Details dieses Baukastens absoluter Blödsinn, andere sind schlichtweg lieblos und schlampig gelöst, und darüber hinaus passt einiges - insbesondere das Heck - historisch überhaupt nicht.
Hier das, was man sich bei Mamoli unter Galion vorstellt:
Hier eine kleine Auswahl vorgefertigter, aber in meinen Augen völlig unbrauchbarer Teile ....
....sowie der "Einsatzzweck":
Derartige Plattgathecks waren meines Wissens gegen Ende des 18. Jahrhunderts bei Schiffen dieser Größe schon lange nicht mehr üblich:
Was mach ich jetzt damit, hab ich mich natürlich gefragt - allerdings erst zu einem Zeitpunkt, zu dem Rumpf und Deck bereits fertig geplankt waren. Bitte schlagt mich nicht, aber ich habe beschlossen, das Ding trotzdem fertigzubauen; ich hab einfach schon zu viel Arbeit reingesteckt. Ich möchte die historischen Fehler soweit noch möglich korrigieren, eigene Detaillösungen entwickeln und das ganze, auch wenn es nur ein Modell eines fiktiven Schiffes ist, nutzen, um - handwerklich wie historisch - daran und daraus zu lernen.
Was sich nicht mehr korrigieren lässt, ist das aus der Zeit gefallene Plattgatheck bzw. der Unterspiegel:
Für Bug und Galion hab ich mir was einfallen lassen:
Das also ist der derzeitige Stand. Jetzt warte ich nur darauf, dass mir der schon vor Monaten bestellte Arbeitstisch endlich geliefert wird, dann kann ich weiterbauen; und wenn's denn irgendwann mal fertig ist, möchte ich mich mit den bis dahin erworbenen Kenntnissen und Fertigkeiten an ein "richtiges" Modell wagen. Außerdem werde ich mir noch einiges an Werkzeug zulegen müssen; bisher beschränkt sich das auf Laubsäge, ein scharfes Messer, verschiedene Feilen und einen Schleifklotz nebst -papier.
Zum Heck. Im Buch von E.W.Petrejus, das Modell der Brigg Irene , wird beschrieben wie die Engländer aus Kostengründen genau diese Plattgathecks bauten. Die Boote waren Massenprodukt und mußten Kostengünstig sein.
Ist doch schön und sauber gebaut, Glückwunsch, für ein Anfängerwerk höchst wunderbar geworden!
Und deine Entscheidung ist richtig: Nicht nur über den Bausatz meckern, weiterbauen und Erfahrung sammeln, Techniken ausprobieren und das Riggen. Und die Zeit nutzen, das nächste Opfer zu identifizieren :-)
Hallo! tröste dich, auch ich habe mal einen Baukasten verarbeitet und erst später festgestellt was alles falsch daran war. Aber so steht das Modell nun da und errinnert mich daran das Hersteller keine Interesse daran haben Grundlagenforschung zu einem geplanten Projekt zu betreiben. Man lernt daraus. Siegfried
Und sooo Tonne ist wegen des hier erarbeiteten exzellenten Ergebnisses auch nicht nötig.
Und bitte vergesst nicht, der Kauf liegt ja schon ein Vierteljahrhundert zurück, das heißt das Modell ist noch älter. Hat sich viel geändert in der Zwischenzeit. Auch an unseren Erwartungen an einen Bausatz. Und die Händler können in der Regel wenig dafür, müssen auch erst auf bessere Modelle umstellen.
Zitat von carpe diem im Beitrag #1 Hier eine kleine Auswahl vorgefertigter, aber in meinen Augen völlig unbrauchbarer Teile ....
Warum sind diese Teile völlig unbrauchbar, für einen Bausatz dieser Preisklasse der das Einsteigersegment bedienen soll, ist das durchaus recht ordentlich.
Wenn es dem eigenen Anspruch nicht genügt, dann einfach Verzierungen neu schnitzen, Kanonen aus Messing neu abdrehen, die recht einfachen Formen der Türen und Fenster lassen sich mit der Fräse neu aus Vollholz herstellen. Sind die technischen Voraussetzung nicht gegegeben, wird auch durch die Nachbereitung der vorhandenen Details mit einem herkömmlichen Satz Nadelfeilen ein ansprechendes Ergebnis zu erzielen sein.
Die Kanonenrohre matt schwarz lackieren, die Lafetten aufpeppen mit ein paar Augbolzen für die Seitentaljen, ein Brooktau und ein kleiner Richtklotz, schon hat man ein echt ordentliches Geschütz.
Das Beiboot kann gesupert werden, ein paar Spantenimitate aus Furnierholz, ebenso für die Duchten und zum Schluss die Ruderdollen. Als Ausrüstung ein Ruderblatt, eine kleine Pütz, ein Wasserfässchen sowie ein paar Riemen und man wird ein tolles Beiboot erhalten.
Ein Bausatz ist für mich immer nur ein Materialsatz und Inspiration, so bin ich bei meinem aktuellen Baukastenprojekt auch herangegangen.
Was das Heck betrifft, wurde von Bukaniere das Buch der Brigg Irene als Quelle schon angesprochen, daraus zwei Beispiele aus der Zeitepoche in die auch der Portsmouth eingeordnet werden kann:
Fazit: ich würde eine derart kritische Rezension zu einem Produkt immer nur dann empfehlen, wenn ich selbst eine bessere Alternative anbieten kann, wie z.B. das Galion, denn das ist ja schon mal toll geworden. Auch hat dieser Bausatz hier schon mehr als zwei Jahrzehnte auf dem Kiel, denn zwischenzeitlich hat es bei Mamoli mal ordentlich geräuchert und wurde erst kürzlich neu auf die Beine gestellt, was die Frage aufwirft, ob die Kritik so noch ihre Berechtigung hat.
ich kann deine Enttäuschung nachvollziehen, aber in diesem speziellen Fall, ATROPOS von Steingraeber, ist es nicht ganz so schlimm wie bei anderen der gezeigten Beispiele. Es handelt sich hier um die französische Korvette L'ASTROLABE von 1811, kopiert von einem Bauplan der Amis des Musees de la Marine in Paris von 1962 im Maßstab 1:100. Online ist im dortigen Marinemuseum auch ein zeitgenössisches Modell des Schiffes zu sehen. Alles Weitere z.B. bei Wikipedia unter Astrolabe (1811). Was man mit einem solchen Baukasten macht, ist natürlich eine andere Frage...
im Winter Oberbayern, im Sommer an Bord im Mittelmeer
Hallo zusammen,
lang ist's her, ich weiß, und ich möchte mich einerseits entschuldigen für die lange Abwesenheit, andererseits noch mal bedanken für die aufmunternden Kommentare. Die Äußerungen eines Forumsteilnehmers - auch im nichtöffentlichen Bereich - hatten mich allerdings zunächst dermaßen irritiert, dass ich mich gefragt habe, ob ich überhaupt weitermachen soll, wenn ich anscheinend nicht in der Lage bin, etwas herzustellen, was auch MEINEN Vorstellungen entspricht; (nicht nur) deswegen hab ich mich erstmal in eine "Findungsphase" zurückgezogen.
Mein Ziel ist nicht, ein "recht ordentliches" Ergebnis abzuliefern; mein Ehrgeiz ist vielmehr, mich der Qualität anzunähern, die ich hier im Forum immer wieder bewundern darf. Ob ich jemals in diese Sphären vordringen kann, wird sich zeigen, aber man sagt ja so schön, "wer alle seine Ziele erreicht, hat sie nicht hoch genug gesetzt".
Und so hab ich wieder begonnen, zunächst mit dem früher schon angesprochenen Heck. Das Problem dabei war, dass ich halt keine wirklichen und vor allem exakten Pläne habe, anhand derer ich Spiegel und Seitentaschen konstruieren und vor allem an den soweit ja schon fertig gebauten Rumpf anpassen konnte. Try and error war angesagt; hab vieles weggeschmissen. Herausgekommen ist das hier:
Zwischenzeitlich hab ich erkannt, dass sich mit meiner vorhandenen Werkzeugausstattung die nötige Präzision nicht erzielen lässt (was man an den vorigen Bildern unschwer erkennen kann); hier mein stolzes bisheriges Equipment:
Daher hab ich mich in Kosten gestürzt und vor einigen Wochen ein paar Maschinchen gekauft, mit denen ich mich nunmehr an besagte Präzision herantasten möchte. Den Anfang hat die kleine Fräse gemacht, mit der ich die Füllungen der Niedergangstüren bearbeitet habe.
Jetzt steht aber eine Entscheidung an, zu der ich gern eure Ratschläge hören würde: Was mir an meinem Projekt missfällt, ist der gebeizte Sperrholzkiel einschließlich der Steven.
Blauäugig wie ich bin hatte ich daher überlegt, ihn mit Furnier zu kaschieren; allerdings sind mir inzwischen Zweifel gekommen. Kiel und Achtersteven ließen sich sicher noch ansprechend verkleiden; im Bugbereich - insbesondere am ja bereits angebauten Galion - fürchte ich jedoch, dass das Ergebnis schlimmer aussähe als der momentane Zustand; ich glaube nicht, das Furnier so sauber ans Galion - insbesondere an die Galionsspanten - anpassen zu können, dass kein Spalt mehr zu sehen ist.
Wenn Du das Bergholz ebenfalls schwarz färbst, vielleicht sogar auch den Farbgang und Schandeckel, kann der Scheg oberhalb dieser Linie bleiben wie er ist und unterhalb sollte das Furnieren kein Problem sein.
bis denne Willi
Es ist nicht alles falsch, was man nicht versteht.
Also ich denke, dass das alles doch ganz brauchbar aussieht und definitiv kein Fall für die "Tonne" ist... auch über zwanzig Jahre alte Schiffe lassen sich bauen. Die Frage ist immer, welchen Anspruch man hat und wo man raus kommen will. Geht mir ähnlich...
Insgesamt sieht das für mich sehr gut aus, willkommen hier!
Grüße sendet Mr. Christian
In Arbeit: die Le Hussard von Artesani Latina von 1848 Im Dock: die Gjøa von constructo Unter Deck: ...freu mich drauf: die Fram von Occre...
Außerdem bin ich immer der Meinung, man entwickelt sich nur durch das Bauen weiter. Und wenn man den Anspruch immer höher schraubt wird immer ein Gap zum Start oder vorherigen Bauabschitt bleiben. Kenn ich selber.
Deshalb Frieden mit dem Erreichten machen und weiterbauen und mit diesem erweiterten Erfahrungspotential dann an den nächsten Bau :-)