ich will wieder mal ein Modell bauen. Schuld sind diesmal der Dennis und der Thomas.@dafi@emily.ndh Dennis hat vor wenigen Tagen den Film über den Bau der Replik von 1968 eingestellt. Das war eine schöne Zeit. 1968 hatte ich mein Abitur in der Tasche und war an der Goethe Universität in Frankfurt immatrikuliert. Viel habe ich in den kommenden Jahren nicht gelernt, denn es wurde ständig demonstriert. Als Arbeitskleidung trug ich wie all die anderen einen alten Bundeswehrparka. Das schütze zuverlässig vor den unvermeidlichen Wasserwerferattacken.
Jedenfalls haben die in Deptford, England zum 300 jährigen Bestehen der Hudson`s Bay Company das Schiff von Des Groseillieres (Nonsuch) nachgebaut. Damals beherrschten noch einige wenige Handwerker die alten Techniken. Der Thomas auch Nordhausen ist auch beteiligt, denn der hat mir die Pläne gesucht. Er kennt sich da sehr gut aus. Es gibt in England die Firma "Best Ship Models" und sie verschicken online die Pläne der Nonsuch. Dafür wollen sie 9,99 pounds. Ich habe ihr Plansortiment überflogen und konnte feststellen, dass sie sich überall "bedient" haben, selbst aus Bellabarbas "Vele Italiane". Nein, die wollte ich nicht unterstützen. Thomas hat dann Free Plans gefunden. Sie gehören zu dem Baukastenmodell der "Nonsuch", das die italienische Firma Aeropiccola vertreibt/vertrieben hat. Diese Turiner Firma hatte um 1970 zum Jubiläum der HBC das "Nonsuch" Modell aufgelegt. Das Problem bei dieser Ausführung ist jedoch, dass die 11 Spanten in das Kielbrett gesteckt werden und einzeln dargestellt sind. So kann ich es nicht machen, denn ich brauche einen freien Innenraum. Steckspanten sind für Phantombauer, aber für höherwertige Modelle braucht man einen Spantenriss. Das kriege ich aber hin. Die "Nonsuch" wird mein zweites Schiff der Hudson`s Bay Company sein. Mit ihr fing es an. Die SS "Beaver" von 1834 war das erste Dampfschiff an der Westküste. Sie war tatsächlich ein schwimmender Handelsposten und befuhr die Küste und Flussmündungen nördlich von Vancouver. Die "Beaver" ist kein gutes Segelmodell. Sie hat den zuschaltbaren Schaufelradantrieb und die Schratsegel als Antriebsversionen. Ein Hybrid ist nie ein Optimum. Leider gibt es hier immer noch Leute, wo mich zum Galleriebau nötigen wollen ....
Nun folgt die nötige historische Einlassung. Schließlich muss man als Modellbauer die Zeitumstände kennen.
Egal wie leer du im Kopf bist, es gibt Menschen, die sind Lehrer!
Von 1600 bis 1763 beherrschte Frankreich ein gewaltiges Gebiet in Nordamerika, das den Namen Neufrankreich trug. Es reichte vom St. Lawrence Strom hin zu den Großen Seen, umschloss das Einzugsgebiet des Mississippis und endete am Golf von Mexiko. Die Franzosen waren maßgeblich am Rohstoffbezug interessiert und vernachlässigten die Besiedlung und Erschließung des Landes. Wenige Versuche nur wurden gemacht um Siedler ins Land zu führen. So schickte man um 1663 - 1673 "filles du roi"(Töchter des Königs) nach Übersee. Das waren Frauen aus dem städtische Proletariat.. Sie bekamen freie Passage und Mitgift/Aussteuer. In den Kolonien wurden sie von Nonnen hauswirtschaftlich geschult und moralisch gefestigt. Dann konnten sie sich den Partner frei wählen. Es bestand ein gewaltiges Überangebot an Kandidaten. Nach dem 7 jährigen Krieg verloren die Franzosen ihre Kolonie. Die Assimilierung der französischstämmigen Kanadier ist den Engländern jedoch nie gelungen. Eine Triebfeder für die französische Expansion war der Erwerb von Pelzen. Diese waren ein Statussymbol in der bürgerlichen und höfischen Gesellschaft und erzielten gute Preise. Die Pelzhändler fuhren den St. Lawrence Strom hinauf. Bei den Stromschnellen oberhalb von Montreal mussten die Waren von Seeschiffen auf Paddelboote umgeladen werden. So erreichte man die Großen Seen. Von dort drang man in die von Norden kommenden Flüsse ein und erweiterte die Handelskontakte. Je weiter nördlicher man gelangte, umso besser war die Qualität der Pelze.
Die beiden französischen Abenteurer Radisson und Des Groseillieres hatten eine erfolgreiche Pelzreise nach Norden unternommen. Dabei benutzten sie die Flüsse und Seen. Das ständige Umladen an Wasserfällen war sehr anstrengend. Hinzu kamen Kälte und schlechte Ernährung. Sie entwickelten den Plan mit einem Handelsschiff über Neufundland hinaus in die Hudson Bay zu segeln und hier Faktoreien anzulegen. In Frankreich fanden sie kein Gehör und keine Geldgeber. So gingen sie zur Konkurrenz. In England gab es Spekulanten, die für eine solche Expedition Geld und ein Schiff zur Verfügung stellten. Das Konsortium kaufte von der Navy die kleine Ketsch (Rumpflänge 16,5 m) "Nonsuch" und mit 14 Weggefährten segelte Des Groseillieres in die Neue Welt. Das Begleitschiff, die ebenfalls 1650 gebaute Ketsch Eaglet musste an der irischen Küste beidrehen. Sie würde die Atlantikfahrt nicht bestehen können.
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Da biste aber wieder schnell unterwegs , Jörg . Spantengerüst ist sicher auch schon fertig , da Nachtschicht eingelegt . Hast dich still und unheimlich und unerlaubt aus dem ehelichen Schlafgemach geschlichen ....
Ne, gute Brockenhexe, habe noch nicht angefangen. Der Sohn muss erst die Spanten hochkopieren. Aber dann - wenn ich mal loslege ..
Nach einer stürmischen 4 monatlichen Reise erreichte man die Bucht, errichtete ein Blockhaus mit Palisade, tauschte Felle ein und überstand den Winter. Als das Schiff beladen war, lichtete man den Anker und die mühevolle Rückreise wurde ausgeführt. Die Expedition war wirtschaftlich kein großer Erfolg, aber der Beweis für die Durchführbarkeit war erbracht worden. Unter der Schirmherrschaft von Prince Rupert gründeten vermögende Bürger die Hudson Bay Company (1668). Die war 2015 Eigner von Galleria Kaufhof. Der Wahlspruch der HBC lautet "Pro pelle cutem" - Für Fell gebe ich meine Haut.
Die Ketsch war ein Eineinhalbmaster und hatte eine gewisse Ähnlichkeit zum Crompster von 1570. Jedenfalls von der Rumpfgestaltung her. Der hier gezeigte Crompster war aber weniger zur Atlantikfahrt geeignet. Der schwere Sprietbaum ermöglichte rasche Kurswechsel in eingeschränkten Fahrgewässern, konnte aber bei Sturm zu einer großen Bedrohung für Schiff und Besatzung werden. Rahsegel am Großmast sind für Langstreckenfahrten weit besser geeignet. Bei einer Ketsch steht der Hauptmast weit hinter und in der Schiffmitte. Der kürzere Besanmast mit seinem Lateinersegel hat eine Segelfülle, die den Vorsegeln entspricht. So ist die Segelverteilung ausgeglichen und eine Ketsch benötigt wenig Steuerhilfe. Ein Zweimaster mit diesem Rig wurde daher gerne eingesetzt. Ein guter Beobachter wird bei dem weit zurückgesetzten Hauptmast auf eine Bombarde schließen. Tatsächlich heißen diese Fahrzeuge auch "bomb ketch". Hier zeige ich noch die "Volonté de Dieu"von 1815. Sie war eine Handelsbombarde und ihre Segeleigenschaften waren ebenfalls recht gut. Um 1668, zur Zeit der "Nonsuch" gab es aber den Schiffstyp "bomb ketch" noch nicht. Heute wundern wir uns über die geringe Größe von Transatlantikschiffen in der frühen Neuzeit. Bei der Jamestownflotte 1605 führte nur die Susan Constant drei Masten, die Godspeed und Discovery kamen mit 2 Masten aus. Die Discovery war so klein, dass man ihr die Rückreise über den Atlantik nicht zutraute und sie als Expeditions- und Versorgungsschiff in der Chesapeake Bay aufbrauchte. Um 1800 noch überquerten zahllose einmastige Segler der Atlantik.
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Andere haben Zeichenprogramme, können skalieren, Klothoiden berechnen und so. Ich mache es nach Altvätersitte: 1.Spanten vom Plan ausgeschnitten, platziert - dabei helfen die Rundholzmittelpunkte- und nachgezeichnet. So entstand der Mallen-/Spantenriss. Es sind 10 Mallen plus der Querschnitt vom Spiegel. 2.Die Teile der Kielplatte wurden ausgeschnitten und zusammen aufgeklebt. Auf dieser Abbildung habe ich die Form des Vorderstevens, den Winkel des Achterstevens und die Abstände der Mallen.
Mit diesen Zeichnungen gehe ich morgen zum Copy Shop zum Vergrößern. Die Breite der Ketsch beträgt jetzt 4,9 cm und soll dann auf 13,4 cm anwachsen. Die Rumpflänge soll auf 44 cm zunehmen. Meine Mallenzeichnungen sind nicht optimal, der Spantabstand wird 3,6 cm betragen, die Zeichnungen werden um den Faktor 2,7 vergrößert - da wird es Unstimmigkeiten geben. Damit komme ich klar. Unter dem Blatt mit den Zeichnungen liegt eine Bauzeichnung mit der Bemastung der "Nonsuch". Der Großmast ist weit zurück gesetzt und erstaunlich hoch. Die letzte Rosette zwischen Besan und Großmast schmückt keine Geschützpforte sondern eine Fensteröffnung. Abschließend ist dann ein ornamentierter Fensterrahmen aufgezeichnet.
Das zweite Bild zeigt einen niederländischen Hooker als Heringsfänger. Auch er ist ein Anderthalbmaster mit weit zurück gesetztem Hauptmast. Ketsch, Bombarde, Hooker - sie sind sich so ähnlich.
Gruß Jörg
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Inzwischen weiß ich ganz viel mehr und will es hier ausbreiten. Manche von euch kennen sicher den Film "The Revenant" (Der Rückkehrer) mit Leonardo DiCaprio in der Hauptrolle. In dem Film geht es über die Auseinandersetzungen französischer und englischer Trapper, den leidenden Eingeborenen und der kalten Einsamkeit. Solche Erfahrungen machte auch der französische Abenteurer, Waldläufer und Pelzhändler Sieur Médard de Groseilliers. Mit seinem jüngeren Schwager Pierre Radisson unternahm er mehrere Reisen in das Gebiet der Großen Seen. 1659 war er im Gebiet des Lake Superiors unterwegs und erfuhr von Cree Indianern von der Existenz eines nördlichen Meeres. Nachdem die französische Verwaltung seine reiche Pelzfracht beschlagnahmt hatte - die Begründung dafür lautete, dass er ohne Lizenz gehandelt habe - wandte er sich an die Engländer und schlug ihnen die Erschließung der reichen "Pelzvorkommen" auf dem Seeweg vor. Die Expedition zur Hudson´s Bay, dem nördlichen Meer, wurde mit zwei Ketschen ausgeführt. Groseilliers fuhr mit dem erfahrenen Kapitän Zachariah Gillam auf der "Nonsuch", sein Schwager war auf dem Begleitschiff "Eaglet" untergebracht. Dieses musste bereits in der irischen See die Fahrt wegen Wassereinbruch abbrechen. Die nur 16 Meter lange "Nonsuch" war für die Fahrt von einer Gruppe von Investoren angekauft worden, da sie wegen der geringen Größe an Land gezogen werden konnte, wo sie nicht dem Eisdruck ausgesetzt war. Die Hudson`s Bay war 1610 von Henry Hudson entdeckt und befahren worden. Inzwischen waren nur wenige Fahrten in diese gefährlichen Gewässer unternommen worden und die Karten waren sehr oberflächlich. Cree Indianer halfen der Besatzung den Rupert Fluss zu erreichen, wo sie überwinterten (1668/69). Während dieser Epoche herrschte in Europa eine kleine Eiszeit mit langen, kalten Wintern und verregneten, kühlen Sommer. Pelze waren daher eine wichtige Schutzmaßnahme. Groseilliers und Radisson wurden anschließend von den Franzosen als Verräter verfolgt. Sie überwarfen sich mit der Hudson´s Bay Company, kehrten nach Neufrankreich zurück und führten Überfälle auf Handelsposten der Kompanie an.
So ein reiches Leben...ich war immer nur in der Schule.
Gruß Jörg
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Die 1968 gebaute Replik der "Nonsuch" ist im Manitoba Museum, Canada ausgestellt. Hier hat man die spärlichen Kenntnisse über das Originalschiff zusammengetragen. Die ursprüngliche "Nonsuch", (die Unvergleichliche) wurde 1650 in Wivenhoe, Essex gebaut und als Handelsschiff in der Küstenfahrt eingesetzt. 1654 kaufte sie die Navy an und verwendete sie als bewaffnetes Begleitschiff für Konvois von Handelsschiffen. 1658 wurde sie von Holländern gekapert, aber 1660 war sie wieder im Besitz der Navy. Diese verkaufte 1668 das nunmehr 18 Jahre alte Schiff an Unternehmer, die von der Hudson´s Bay aus Pelzhandel betreiben wollten. Bei der Überwinterung hatte das Schiff nicht nur die übliche Verpflegung an Bord, sondern auch Rosinen, Lemonensaft (Skorbut ?), Pflaumen, Zucker, Malz, Bier (small beer, wurde auch als Suppe verköstigt und war haltbarer als Trinkwasser) und Brandy. Dieser diente auch als Tauschmittel und war den Cree Indianern bereits wohlbekannt. Als Navyschiff hatte die "Nonsuch" eine Besatzungsstärke von 24 Mann gehabt, bei der Expedition 1668 waren an Bord: Sieur de Groseilliers, Kapitän Gillam, 2 Steuerleute, ein französischer Chirurg und 7 - 8 Seeleute. Die erstgenannte Gruppe war im Achterschiff untergebracht und hatten Anspruch auf Einzelkabinen. Diese waren wohl sehr klein zugeschnitten.
Kapitän Zachariah Gillam wurde in Boston, Massachusetts geboren und war Kapitän in der Küstenfahrt. 1667 versuchten die Abenteurer Groseilliers und Radisson von Boston aus mit einem Schiff in die Hudson`s Bay zu gelangen. Gillam war beteiligt, die Expedition war unterfinanziert und scheiterte. Gillams Bruder brauchte die beiden Franzosen nach England und Kapitän Gillam folgte. Er bot sich als Navigator der Expedition an. Mit 30 Jahren erhielt er das Kommando über die "Nonsuch". Neben dem Pelzhandel sollte die Nordwestpassage gesucht werden. Dieser Traum war noch nicht vorüber. Im folgenden Jahr segelte er gemeinsam mit Groseilliers/Radisson und im Auftrag der neugegründeten HBC wieder in die Hudson´s Bay. Weitere Fahrten folgten 1672 und 1674. Als er 1683 mit mehreren Schiffen in die Hudson´s Bay zurückkehrte, traf er auf Konkurrenten, die das Monopol der HBC nicht anerkennen wollten. Die eine Gruppe wurde von Groseilliers/Radisson angeführt, die sich wieder mit den Franzosen zusammen getan hatten, die andere Gruppe wurde von seinem Sohn Benjamin befehligt und arbeitete auf eigene Rechnung. Am 21 Oktober kam ein Sturm auf, der Anker der "Prince Rupert" hielt nicht, das unterbemannte Schiff wurde gegen die Felsenküste getrieben. Gillam und die übrigen Besatzungsmitglieder verloren ihr Leben.
Die letzte Fahrt der Replik der "Nonsuch" von 1968. Auf einem Trailer wird sie überland nach Winnipeg, Manitoba verbracht. Sehr beschämend.
Gruß Jörg
Egal wie leer du im Kopf bist, es gibt Menschen, die sind Lehrer!
Zitat von Gebbi im Beitrag #7Bei der Überwinterung hatte das Schiff nicht nur die übliche Verpflegung an Bord, sondern auch Rosinen, Lemonensaft (Skorbut ?), ...
Zwar ist denkbar, dass es dem einfachen Mann lange vor den "Experten" bekannt war, dass Zitronenfrüchte gesund sind.. aber wie wahrscheinlich ist das hier?
Skorbut wurde erst später damit gezielt "bekämpft"
Zitat von Marcus.K. im Beitrag #8dass es dem einfachen Mann lange vor den "Experten" bekannt war, dass Zitronenfrüchte gesund sind.. aber wie wahrscheinlich ist das hier? Skorbut wurde erst später damit gezielt "bekämpft"
....schon ein halbes Jahrhundert früher; die französischen Entdecker/ Kundschafter dort, Champlain und La Salle bereiteten sich aus diesem Grund einen Sud aus Tannennadeln zu ( igitt ! ).
Bekanntlich hat ja unser Captain James Cook für seine Expeditionsfahrt Sauerkraut mitgeführt und vor seiner Besatzung verspeist um sie zum Genuss zu motivieren. Aber war er wirklich der Erste? Ich habe in meinem Bericht ein Fragezeichen gesetzt, weil ich mir unsicher bin. Aber wie Peter ausführt, waren vorbeugende Mittel bekannt, zumal sich die beiden Franzosen Groseilliers/Radisson wiederholt im Norden Kanadas aufgehalten hatten und Erfahrungen machen konnten. Meine Oma wusste, dass Gänsefingerkraut lindernd bei Magenschmerzen wirkt. Sie wusste aber nicht warum. Immer wieder stößt man auf interessante Phänomene, deswegen macht mir die Recherche so viel Freude. Da war diese Franklin-Expedition 1845 - 48. Die letzten Überlebenden schleppten ihre schweren Beiboote hinter sich her und versuchten einen Außenposten der HBC am Back River zu erreichen. Inuits trafen auf diese ausgezehrten und kranken Europäer. Diese kamen alle um. Die Inuits hingegen kannten Pflanzen und tierische Stoffe, die ihr Überleben in der Arktis möglich machten.
Gruß Jörg
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Zitat von Windgesicht im Beitrag #9 ....schon ein halbes Jahrhundert früher; die französischen Entdecker/ Kundschafter dort, Champlain und La Salle bereiteten sich aus diesem Grund einen Sud aus Tannennadeln zu ( igitt ! ).
Peter
Also, meine Tante macht auch einen Sud aus Tannennadeln, der allerdings ist sehr lecker.
Bis in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts war die grundlegende Ursache des Skorbuts unbekannt; daher wohl die vielen ergebnislosen Therapieansätze. Als einer der ersten Europäer berichtete Jacque Cartier (franz. Entdecker, 1491-1557) über die positive Wirkung eines Rinden- und Nadelsuds vom "Anneda-Baum" (Pinienart), der seiner von Skorbut geschwächten Schiffsmannschaft von indigenen Helfern (Irokesen) bei seiner Überwinterung an der Mündung des Sankt Lorenz Stroms im November 1535 verabreicht wurde. Ein großer Teil der Männer kehrte dadurch gesund nach Hause zurück. Der hohe Gehalt des Suds an Ascorbinsäure hatte ihnen das Leben gerettet. Die segensreiche Wirkung von Vitamin- C -reichen Zitrusfrüchten war auch später vielen Kapitänen bekannt. Man wusste lediglich nicht warum. So versorgte James Lancaster, Kapitän eines Indienfahrers, bereits 1600 seine Mannschaft mit Zitronensaft. . Auf Empfehlung von John Woodall, Schiffsarzt bei der British East India Company, wurden fast alle Schiffe mit Zitronen auf die Reise geschickt. Entscheidend für weiteren Fortschritt war vermutlich die erste Versuchsreihe von James Lind und seine Abhandlung über Skorbut (1747), nachdem er von den 1400 Skorbuttoten im Verlauf von Anson´s Weltreise (1740-44) gehört hatte. Der Gebrauch von Zitronensaft hat, nach Meinung einiger Historiker, sogar eine Wendung in der europäischen Geschichte verhindert. Als Gilbert Blaire die Navy 1795 von der Anbordnahme des "lemon juice" überzeugte, wurde es möglich, die englischen Blockadeschiffe monatelang im Ärmelkanal auf See zu halten, ohne die Mannschaft durch Skorbut zu verlieren. Napoleon konnte seine Invasionsdrohung Englands nicht wahr machen. Übrigens wird Cook´s Rolle im Verlauf der Skorbutbekämpfung immer wieder lobend hervorgehoben, obwohl er darin eher zwiespältig agiert hat. Dazu evtl. später mehr.
Zitat von Gebbi im Beitrag #6Groseilliers und Radisson wurden anschließend von den Franzosen als Verräter verfolgt.
Soviel sei noch gesagt; Radisson war auch Franzose (!). Er war nur der Meinung, dass man seine Errungenschaften im Dienste Frankreichs nicht würdigte und wechselte zur englischen Seite.
Eine Grace Lee Nute hat da ein Buch geschrieben mit dem Titel "Caesars of the wilderness". Es geht um den Pelzhandel und den Beginn der HBC.
Groseilliers und sein Schwager Radisson waren Abenteurer, Glücksritter und sind vergleichbar mit den spanischen Conquistadoren. Sie gingen ein hohes persönliches Risiko ein und Gesetze waren ihnen nicht wichtig. So hatten sie einen ganzen Jahresertrag von Pelzen verloren. Die Ladung wurde vom Governeur in Quebec konfisziert, da sie ohne Lizenz Handel betrieben hatten. Der Ausfuhr musste ja immer über den St. Lorenz River erfolgen, es gab Neider und die Behörden passten auf. So entwickelten sie die Idee über das nördliche Meer die "Pelzvorkommen" anzuzapfen. Und sie wollten sich rächen. Folglich machten sie Geschäfte mit den Engländern.
Auch Zachariah Gillam war kein Musterschüler. Von der HBC wurde er für eine Weile entlassen, weil er Pelze unterschlagen hatte. Dann nahmen sie ihn gnädig wieder in ihre Dienste auf, denn er beherrschte die Fahrt ins Eis. Die britischen Behörden in Mass. beschuldigten ihn zwischenzeitlich des Waffenschmuggels und der Teilnahme an der Culpeper Rebellion. Er war ein fähiger Navigator und ein skrupelloser Zeitgenosse. @Windgesicht
Gruß Jörg
Egal wie leer du im Kopf bist, es gibt Menschen, die sind Lehrer!