Fortsetzung Teil 5 Bedingt durch eine hartnäckige Grippe, gepaart mit einem Anflug von Lustlosigkeit, habe ich nun meine Tätigkeit am Modell wieder aufgenommen. Dabei war ich eben noch stolz auf meine „Malerei“ in der Gillung, da fiel mein Blick auf die im Foto deutlich erkennbare Beule im achteren, unteren Schiffsrumpf. Das kommt davon, wenn man sich in das Detail vertieft und den Blick für das ganze verliert. Das Bedeutete : Abnehmen der entsprechenden Planken, und Korrektur der zugehörigen Spanten. Danach Neubeplankung und schnelles Vergessen dieses peinlichen Vorfalles.
Nachdem der vorangegangene Schreck überwunden war, nahm ich auch gleich mein nächstes Sorgenkind in Angriff, die „Bugpartie“. Jedoch mit Hilfe von Kartonschablonen werde ich wohl auch diesen Bereich unter kontrolle bringen.
Auch die Rahmen für die Stückpforten, die vorher mit einer Schablone positioniert wurden, erwiesen sich als zu schmal um sie an alle Krümmungen anpassen zu können. Sie mussten deshalb gegen breitere ausgetauscht werden.
Im nächsten Schritt wurde die Konstaplerkammer fertiggestellt, Sie zeigt nun die Pinne mit Leuwagen, sowie Werbel und Kolderstock. Erkennbar ist der Mastfuss für den Besanmast und die luke zu r Brot- und Pulverkammer. Nicht zu übersehen ist auch ein Beting für einen achterlich auszubringenden Anker. Schließlich sind hier noch zwei Kanonen in Ruhestellung aufgestellt.
Und was die eingefügte Decksschablone erahnen lässt, tritt ein wenn das darüber liegende Deck endgültig verlegt ist. Von der darunter liegenden Pracht ist dann nichts mehr zu erkennen. Meine ganze Hoffnung liegt jetzt auf einer Minikamera, die durch die Stückpforten passt. Noch habe ich diese nicht zum Laufen gebracht, aber der kleine Kamerakopf wäre für meine Zwecke hervorragend geeignet. Bleibt nur noch das Beleuchtungsproblem, aber alles der Reihe nach.
Vor uns liegt ein neues Jahr mit neuen Aufgaben. Ich hoffe alle hatten einen guten Übergang. Unsere Modelle warten und Corona zwingt uns diesen auch gerecht zu werden. Also geht es weiter:
Fortsetzung Teil 7 Nun ist es geschehen, das Deck über der Konstaplerkammer ist geschlossen. Das davor liegende Overloopdeck wurde weiter detailliert, es erhielt Lenzpumpen, und auch den Bugbereich habe ich für die Aufnahme des Sprietmastes vorbereitet. Die Außenbeplankung ist jetzt hochgezogen bis einschließlich der nächsten Doppelreihe an Berghölzern.
Die Stückpfortenöffnungen, die vorher bereits mit Zwischenrahmen festgelegt waren, konnten nun eingeschnitten und fertiggestellt werden. Somit war auch die Position der Kanonen auf dem Deck, die ich zwischenzeitlich hergestellt hatte, festgelegt. Der Versuch, die in meinem letzten Kapitel gezeigte Minikamera in Betrieb zu nehmen ist mir leider noch nicht gelungen, aber mit einer anderen Endoskopkamera gelangen mir einige Bilder, deren Qualität aber im wahrsten Sinne des Wortes „unterirdisch“ sind. Trotzdem zeigen sie als Beweis, dass der Innenausbau tatsächlich existiert.
Eine Fragestellung, die noch weiterhin offen bleibt, ist die Position des Flaschenlagers und der Kombüse. In vielen Unterlagen, wie auch auf der BATAVIA in Lelystad, sind diese im mittleren Bereich des Overloopdeckes angeordnet. Dort ist es sehr eng, und in späteren Zeiten findet man die Kombüse auch im Bereich der Back. Aber für die Niederlande im 17.Jahrhundert habe ich hierzu keinen Hinweis gefunden. Lediglich auf den VOC-Schiffen der Bauart VALKENISSE 1717 wurde im Bereich der Kombüse der Stückpfortenabstand vergrößert, aber das waren große Spiegelretourschiffe. Ich werde mich bald entscheiden müssen.
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Meine besondere Aufmerksamkeit bezieht sich immer noch auf die Gestaltung der Seitengalerie. Die einschließende Form ist habe ich bereits früher gezeigt und ist für mich nicht das Problem. Aber dass es sich insbesondere im unteren Bereich nur um ein nutzloses Ziergerüst handeln soll, will mir nicht ganz einleuchten. Schließlich wäre hier die Gelegenheit für Schiffer und Oberkaufmann gegeben, ihre Nachttöpfe diskret zu entleeren, ohne sie der Mannschaft erst zu präsentieren.
Meinen Lösungsvorschlag leite ich aus dem Übergang von den umlaufenden Balkonen früherer Jahre zu den geschlossenen Seitentaschen dieser Zeit ab. Ich gebe zu, Historiker müssen sich um sichere Quellen bemühen, aber wenn diese fehlen darf man als Modellbauer sicher auch einmal eine begründete Annahme treffen.
In den Seitentaschen sind die Toiletten für die Schiffsführung untergebracht. Um die Fäkalien abzuleiten, wird ein Fallrohr nach unten geführt. Dieses Fallrohr sieht man sehr oft auf Gemälden und Zeichnungen.
Grüße
Robert
Und wenn mich dann die Arbeitswut packt,....setze ich mich ganz still in eine Ecke und warte bis der Anfall vorüber ist.
In der Werft: Knochenmodell "Royal Caroline" 1749 M 1: 50 Spantmodell Engl. 74 Kanonenschiff 1781 M 1: 50 nach M. Stalkartt Projekt Phantom M 1: 50
Fortsetzung Teil 8 Einen herzlichen Dank an Robert und Siegfried, für das Bild der Seitentaschen der BATAVIA. Man kann an diesem Bild ganz gut mein Dilemma erkennen. Die mir vorliegenden Zeichnungen, und auch die entsprechend gebauten Modelle, zeigen an dieser Stelle nur eine verzierte Rahmenstruktur ohne weiteren Ausbau.
Diese Lösung bereitet mir einiges Unbehagen. Wenn man die moderne Erkenntnis zu Grunde legt: „Form follows funktion“, dann ist nicht ganz klar, welcher Funktion dieser Struktur folgt , wenn nicht der, einer Seitengalerie, als Ersatz für den in früheren Zeiten umlaufenden Balkon.
Natürlich stellt eine geschlossene Seitengalerie, wie auf dem BATAVIA-Bild erkennbar, die in dieser Zeit übliche und auch gebräuchlichste Variante dar. Wenn man davon ausgeht, dass die HEEMSKERK für den Einsatz in Indonesien, also in tropischem Gebiet gedacht war, dann könnte man sich vorstellen, dass der Wegfall einer Holzüberdachung diesen Platz klimatisch erträglicher machte. Der obere Rahmen würde dann als Halterung für ein Sonnensegel dienen. Aber das ist natürlich reine Spekulation. Eine gangbare Lösung hierzu könnte die von mir auf der Skizze vorgeschlagene Lösung mit einem geschlossenen unteren Bereich darstellen. Ein Beispiel hierfür fand ich auf den Bildern eines Prunkmodells, welches angeblich auch die HEEMSKERK darstellt.
Was das Flaschenlager und die Kombüse an meinem Modell angeht, so habe ich mich nun entschieden. Die Verschläge sind, ähnlich wie auf der BATAVIA, im mittleren Bereich des Overloopdeckes angeordnet. In diesem Zusammenhang wurde das Overloopdeck gleich komplett ausgerüstet. Die Kanonen kamen in Position, Ladeluken wurden mir abnehmbaren Grätings versehen, der Niedergang zum Unterdeck mit einer Leiter versehen, und die Lenzpumpe mit Sammelbehälter aufgestellt. Über den ganzen Bereich spannen sich bereits die Decksbalken für das Oberdeck
Diese Decksbalken sind im Bereich der Back noch nicht verlegt und werden erst mit einer Kartonschablone positioniert. Dieses Verfahren habe ich bei allen anderen Balken ebenfalls angewendet.
Und ab und zu wird auch aufgeräumt. Dabei habe ich meinen ganzen Schablonenfriedhof zum Müll gegeben. Manche haben gute Dienste getan, manche auch nicht.
Hallo Robert, vielen Dank für deinen Kommentar zur Seitengalerie. Manchmal ist es in unserem Hobby sogar nötig über Fäkalienbehandlung zu diskutieren. In diesem Falle eine Anmerkung von mir zu diesem „vulgar tube“: Jedoch bin ich der Meinung, ein senkrecht nach unten verlaufendes Rohr kann nicht in der Gillung austreten, da es nur in der Projektion diesen Eindruck erweckt. Tatsächlich träte es seitlich aus der Seitengalerie aus. Die Führung, schräg nach achtern, sorgt für eine Austrittstelle aus dem seitlichen Spiegel oberhalb der Gillung, was auch ganz gut an der BATAVIA in Lelystad erkennbar wird, und meine Annahme belegt (siehe beigefügtes Bild).
Fortsetzung Teil 9 Der Ausbau schreitet weiter voran. Was die Seitengalerie angeht, so habe ich mich entschieden, da zwischenzeitlich auch keine besseren Erkenntnisse bei mir eintrafen, diese in der von mir skizzierten Form auszuführen. Um deren Zugänglichkeit zu ermöglichen, musste ich bereits jetzt einen Zugang von der Kajüte zur kommenden Seitentasche schaffen. In einer späteren Bauphase wäre dies sehr schwierig.
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Vor dem endgültigen Verschließen des Oberdecks gibt es einen letzten, noch nicht ganz verbauten Blick auf das ausgerüstete Overloopdeck. Die Grätings bleiben herausnehmbar und sind jetzt in ihre Rahmen noch nicht eingesetzt.
Die Gestaltung des Bugbereichs ist besonders kniffelig. Es gibt keine geraden Linien, und alle Maßungenauigkeiten laufen hier auf. Für die Galion und ihre Regeln habe ich deshalb eine Sperrholzschablone gebaut. Ich hoffe so spätere Nacharbeiten in diesem Bereich vermeiden zu können.
Die Ausgestaltung der Back nimmt langsam Formen an. Dabei ergaben sich einige, teils notwendige, Anpassungen gegenüber der Planvorgaben. Z.B. habe ich den Knecht für die Fockrahfall innerhalb der Back auf dem Overloopdeck, und nicht auf dem Backdeck, angeordnet. Grund dafür ist die Tatsache, dass das holende Ende (Kardeel) der Fockrahfall zur großen Winde geführt werden muss. Diese liegt ebenfalls in gleicher Höhe auf dem Overloopdeck. Es wird so ein Schrägzug des Kardeels vermieden. Allerdings muss deshalb für deren Führung eine Öffnung im inneren Backschott vorgesehen werden. Die dem Besanmast zugehörige Nagelbank wird wegen der Erreichbarkeit der Belegpunkte folgerichtig auf dem Backdeck angeordnet.
Eine Änderung, gegenüber der Angaben im Plansatz, stellt der Durchgang zwischen Backschott zum „Läuseplichtje“ dar. Im Plansatz sind hier zwei Türen gezeigt, während ich mich, auf Grund der tatsächlich entstandenen Enge, für nur eine Tür entschieden habe. Das innere Schott besitzt diese zwei Zugänge.
Die nächsten Arbeiten werden die Fertigstellung der Back und das Anbringen der Galion mit Löwen und sonstigen Schnitzereien sein, „Es gibt viel zu tun, packen wir`s an“
Apropos Seitengalerien: ich kenne mich mit dem Schiffbau dieser Zeit nicht so besonders gut aus und weiß nicht in wieweit diese Galerien zu dieser Zeit strukturelle und permanente Elemente darstellten. Ich meine, daß solche Schmuckelemente im 'Ernstfall' zu Hause gelassen werden konnten und ggfs. nur zu Repräsentationszwecken installiert wurden. Die zitierte zzeitgenössische Darstellung könnte einen Zustand während des An- oder Abbaus darstellen. Ich kenne aber den Kontext der Darstellung nicht, d.h. wann und unter welchen Umständen sie entstand (van de Velde d.J. ?).
Fortsetzung Teil 10 Im letzten Kapitel hatte ich die Rahmenstruktur der Back beschrieben, jetzt war das Galionsscheg mit seinem Schmuckband und dem vorne thronenden Löwen an der Reihe. Diese verbanden sich mit den Hauptgalionsregeln zu einer geschlossenen Struktur.
Es fehlen natürlich noch auf jeder Seite die zweiten und dritte Regeln, sowie die Spanten und Grätings. Die Backschots sind geklinkert und die entsprechenden Öffnungen für die Aufnahme der hinteren Kranbalkenenden bereit.
Das Backdeck ist nun beplankt und somit geschlossen. Auf diesem Deck sind eine Nagelbank und der Knecht für das Kardeel der Fockbramfall zu erkennen. Der Knecht für den Fockfallblock befindet sich, wie vorher schon beschrieben, ein Deck tiefer. Im inneren Backschott ist die Öffnung für das Führen der Fockkardeel zur großen Winde, ebenfalls deutlich erkennbar.
Auch die geklinkerte Seitenbeplankung einschließlich Geländer sind fertiggestellt, nur die Verzierungen am Absatz sind noch in Arbeit. Außerdem ragt die erste Fockrüste noch etwas einsam hervor. Das dargestellte Fockfall sowie das Großstagende sind natürlich nur temporär, um die Funktionsfähigkeit einschätzen zu können.
Nach dem Schließen der Back war nun meine ganze Aufmerksamkeit auf die Fertigstellung des Galions gerichtet. Deren Ausformung ist zwar grundsätzlich vorgegeben, jedoch erzwangen die hier tatsächlich entstandenen räumlichen Verhältnisse ihre entsprechend angepassten Lösungen.
Durch die Enge zwischen den Galionsregeln musste ich die zugehörige Nagelbank nach mittschiffs, also hinter den Sprietmast verlegen. Besonders eigentümlich ist die hintere Lagerung der Kranbalken im Frontschott. Ich hätte diese Balken lieber auf Höhe der Römerköpfe gesehen, aber in dieser Zeit lagerten die Kranbalken nun mal auf den Regeln. Auch das kleine Deck vor der Back ist recht tief geraten. Ich habe den Zugang zum Oberdeck deshalb mit einer Trittgräting versehen. Dass ich hier, aus Platzgründen nur einen Zugang vorgesehen habe hatte ich vorher schon erwähnt.
Das vordere Abschlussgeländer der Back, mit einem geschnitzten Zierband, wurde noch ergänzt. Hier habe ich die temporäre vordere Halterung des Großstages mit dem Frontgeländer abgestimmt. Es bleiben noch Restarbeiten wie die Fronttür und die Drücker für die Kranbalken. Danach wandert der Schwerpunkt wieder nach achtern.